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Bing Kartendienst verpixelt Militärgebiete in Deutschland

verpixeltes Militärgebiet

Bing verpixelt Militärgebiete

Ende Januar ist es aufmerksamen Mappern des OpenStreetMap Projektes aufgefallen, dass Microsoft in den Satellitenbildern seines Kartendienstes Bing Maps Militärgebiete in Deutschland verpixelt hat. Der Vorgang an sich ist sicher nichts besonderes, auch in anderen Ländern sind auf öffentlichen Satellitenbildern gelegentlich sensible Gebiete unkenntlich gemacht. Einige Besonderheiten zeichnen diesen Fall jedoch aus. Die Menge der zensierten Bereiche überrascht etwas, teilweise wurden Gebiete verpixelt, die schon lange keine Militärgebiete mehr sind und der Grund der Verpixelung ist nicht ganz klar. Kein kommerzieller Anbieter wird wohl ohne konkrete Veranlassung Satellitenbilder zensieren, denn eine Zensur schreckt immer die Anwender ab, die dann lieber zur (noch) unzensierten alternativen Kartenanbietern abwandern. Eine weitere Besonderheit ist die Tatsache, dass Microsoft zur Verpixelung der Gebiete zum großen Teil Daten des OpenStreetMap Projektes verwendet hat und dabei nicht die OSM CC-BY-SA Lizenz beachtet hat, die zwar die freie Verwendung der Daten erlaubt, jedoch auch eine Namensnennung verlangt sowie eine Weitergabe unter gleichen Bedingungen. Eigentlich gibt es eine sehr gutes Verhältnis zwischen der OpenStreetMap Community und Microsoft, denn schon seit einiger Zeit erlaubt Microsoft den OSM Mappern, die Bing Luftbilder als Grundlage zum Abzeichnen der Kartendaten zu verwenden.  So gab es auch recht schnell eine erste Stellungnahme von Steve Coast, dem Gründer von OpenStreetMap, der seit 2010 bei Microsoft arbeitet im OSM IRC Kanal. Dort bestätigte er der Community nach einer Nachfrage bei den zuständigen Kollegen, dass die Militärgebiete aufgrund einer Anordnung einer deutschen Regierungsstelle verpixelt wurden und dass die Daten dazu aus Deutschland kämen und keine OSM Daten von Microsoft verwendet wurden.

Karte mit den OSM Militärgebieten

Dass diese Aussage nicht korrekt war, wurde aber schnell von der OSM Community belegt. Im OSM Forum, im OSM Wiki, auf meiner erstellten Karte und durch die Auswertung eines OSM Users, der jedes einzelne Gebiet der etwa 2500 in den OSM Daten enthaltenen und als Militärgebiet gekennzeichneten Polygone einzeln visuell überprüft hat, wurde schnell deutlich dass die meisten Gebiete doch mit Hilfe der OSM Daten verpixelt wurde. Nach ein paar Tagen gab es eine weitere Stellungnahme von Microsoft, leider aber auch wieder nur im OSM IRC Kanal. Nun hat Microsoft zugegeben, dass sie OSM Daten verwendet haben und sich nicht bewusst waren, dabei die OSM Lizenz nicht beachtet zu haben. Der Urheber der Verpixelung blieb aber weiter im dunkeln.
Microsoft has received requests from the armed forces to blur areas in Germany (StGB 109g is one of the corresponding directives which has been used as reference)
Wer oder welche Stelle mit „armed forces“ gemeint ist, wird nicht näher erklärt. Neben der Entschuldigung will Microsoft die Verpixelung nun korrigieren und andere Daten dazu verwenden. Dies ist  bis heute (28.02.2012) knapp 3 Wochen nach der Stellungnahme allerdings noch nicht geschehen. Es gab von Seiten der OSM Community noch einige Versuche, von deutschen Regierungsstellen eine Stellungname zu bekommen, wer denn nun für die Anordnung der Verpixelung verantwortlich ist, leider ohne neue Erkenntnisse. Es gab eine entsprechende Nachfrage auf der Bundespressekonferenz am 03. Februar, bei der aber die Sprecher des Innen- und Verteidigungsministeriums zunächst keine genaue Auskunft geben konnten. Vor ein paar Tagen gab es noch einen Artikel bei heise.de zum Thema. Der Autor des Artikel bemühte sich auch um Aufklärung bei den entsprechenden Stellen. Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums erklärte, von Seiten des Ministeriums habe es keine Aufforderung an Microsoft zur Verpixelung gegeben. Wer genau die Zensur der Militärgebiete in Deutschland bei Microsoft beantragt hat und warum, bleibt also weiterhin ungelöst. Bisher wurden keine Verpixelungen bei anderen Anbietern von Luftbildern festgestellt, auch die Portale der Landesvermessungsämter haben bisher keine zensierten Luftbilder. Sollte jemand weitere Informationen haben über die Hintergründe, kann er sich gerne bei mir melden. Links zum Thema:

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