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07. September 2010
(aktualisiert am
20.09.10)
veröffentlicht in
Radsport -
Doping
Von den Gerüchten hörte ich schon am Sonntag, aber erst die Meldung von heute in der Printausgabe der Rheinpfalz am Ende des Berichtes zum Radrennen gestern im pfälzischen Bornheim brachte Gewissheit. Der Amateurennfahrer Bernd Fuhrmann, erst vor einigen Tagen wieder in den Schlagzeilen, als bekannt wurde, daß die Staatsanwaltschaft Kaiserslautern einen Strafbefehl gegen Fuhrmann erwirkt hat, ist erneut vom Bund Deutscher Radfahrer suspendiert worden.
Es gibt noch einen längeren Bericht (vermutlich im Lokalteil der Rheinpfalz), zu dem ich leider noch keinen direkten Internetlink gefunden habe, in dem der Bund Deutscher Radfahrer bestätigt, dass schon seit dem 17. Juni 2010 eine voräufige Suspendierung gegen Fuhrmann vorliegt wegen eines "positiven Befundes" - was auch immer mit dieser schwammigen Formulierung gemeint sein sollte, der Fahrer dieser ausgesprochenen Suspendierung wohl allerdings nicht freiwillig nachgekommen ist und weiter an Rennen teilgenommen hat, so u.a. auch bei seinem Sieg am Sonntag im Seniorenrennen in Bann. Gestern beim Rennen in Bornheim erschien nun persönlich der Vizepräsident des BDR, Günter Schabel, um die Rennlizenz des Fahrers vom RV Rodenbach einzuziehen. Über weitere Einzelheiten bin ich im Moment noch nicht informiert, insbesondere was es mit dem nicht näher erklärten "positiven Befund" auf sich hat. Auch auf die sich stellende Frage, warum scheinbar die Vereine nichts von der Suspendierung wussten und ihn haben weiter starten lassen die letzten Wochen, habe ich leider keine schlüssige Antwort. Die Erklärung des BDR, man habe die Vereine erst am 24. August per Email informiert, weil Fuhrmann seiner Suspendierung wohl nicht freiwillig nachkam, wirft doch einige weitere Fragen auf, die der Verband nun schnellsten schlüssig klären sollte.
Der Fahrer Bernd Fuhrmann beschäftigt den Radsport seit nunmehr 2 Jahren, als er bei der Dopingkontrolle nach einem kleinen, unbedeutenden Radrennen im pfälzischen Herxheim im September 2008 erwischt und daraufhin 3 Monate gesperrt wurde. Erst vor ein paar Tagen war er dann wieder in den Schlagzeilen, da die Ermittlungen um seine Person, ausgelöst vom Kronzeugen Phillip Schulz, bei der es um die Weitergabe von Dopingprodukten ging, vor dem Abschluss stehen. Wer die Details nicht kennt und den Radsport ansonsten nur von den Profis aus dem Fernsehen kennt, wird sich zu Recht fragen, warum bei unbedeutenden Amateurrennen denn überhaupt kontrolliert wird, wo es doch bei anderen Sportarten nicht mal im Profibereich ernsthafte Kontrollen gibt. Nun, eigentlich gab es auch nie Dopingkontrollen im Amateurbereich. Der sollte ja sauber sein, hörte man bis vor 3 Jahren von den Verbänden, Doping nur ein vereinzeltes Problem im Spitzensport. Klar es gab ja auch keine Kontrollen, die etwas anderes hätten beweisen können. Die These von dem vereinzelten Problem im Profibereich ist ja nun im Radsport leider allzu oft widerlegt worden, das Märchen vom sauberen Amateursport hielt sich hingegen etwas länger.
Was genau hat dann ein Umdenken oder zumindest mal ein Erkennen und Eingestehen des Problems im Amateur Radsport verursacht? Als Außenstehender würde ich da die Wende im Sommer 2007 sehen, als der saarländische Amateurfahrer Oliver Corpus nicht nur den regionalen Radsport mit seinem Interview in der Saarbrücker Zeitung unter der Schlagzeile „Auch im Saarland wird gedopt“ gehörig in Aufregung versetzt hatte. Oliver hat viel Lob verdient für seine mutigen öffentlichen Aussagen, aber leider hat er auch viele Anfeindungen erleben müssen, auch von Seiten des Verbandes und natürlich von anderen Fahrern. Trotzdem gab es in den Folgezeit Konsequenzen und der saarländische und pfälzische Radsportverband organisierten die Mittel, um bei den regionalen Rennen unangekündigte Doping Kontrollen durchzuführen. Und die „positiven“ Ergebnisse ließen auch nicht lange auf sich warten. In der Folge wurden der Saarländer Hans-Peter Schmidt und die Pfälzer Fahrer Sven Bauer, Phillip Schulz und Bernd Fuhrmann erwischt und entsprechend gesperrt. Phillip Schulz aus Kaiserlautern sorgte dann für Schlagzeilen, als er über die Dopingpraktiken im Amateursport auspackte und sich als Kronzeuge beim Verband und der Staatsanwaltschaft anbot. Seine Aussagen führten dann zu den Ermittlungen um Bernd Fuhrmann und wie vor ein paar Tagen bekannt wurde zu einem Strafbefehl in der Sache. Bis heute dachte ich, dieser Ausgang des Verfahrens würde nun auch für die erneute Sperre Fuhrmanns verantwortlich sein.
Mein Kommentar: Bernd Fuhrmann hat sicher seine Strafe verdient, aber man sollte sich davor hüten, ihn als den alleinigen Übeltäter im Amateursport zu sehen. Ich erinnere mich an die Protestaktion der Fahrer bei seinem ersten Rennen nach seiner Sperre, das war scheinheilig und verlogen von vielen, die genau wissen, dass bei den Protestlern eine große Anzahl auch nicht viel sauberer war. Was mich stört ist die Tatsache, dass man immer noch nicht offensiv genug in den Vereinen und bei den Fahrern mit dem Dopingproblem umgeht. Warum ist niemand dem Beispiel von Schulz gefolgt ? Wenn es stimmt, dass er keine anerkennenden Reaktionen von anderen Fahrern erhalten hat für sein „Auspacken“, dann ist das arm. Warum packen, wenn überhaupt nur diejenigen aus, die erwischt werden? Unter den Fahrern ist es ein offenes Geheimnis, was genommen wird, welcher Arzt in der Region Rezepte aufstellt, wo man Dopingmittel bekommen kann - ich würde das fast als Beschaffungsnetzwerk bezeichnen - und auch die Tricks kursieren, wie man die Kontrolleure überlisten kann. Das heißt nun natürlich nicht, dass auch alle dopen, aber die meisten Fahrer wissen es und schweigen trotzdem weiter darüber.
Ich sehe einige positive Zeichen von sich ändernden Einstellungen mittlerweile bei den Fahrern, aber das Schweigen oder Wegsehen ist immer noch vorhanden. Und solange die „Vorbilder“ im Profibereich nach ihrer eigenen Dopingvergangenheit auch weiterhin als angesehene sportliche Leiter bei den großen Teams sind, fällt es mir schwer, an einen grundlegenden Durchbruch zu glauben. Auch der Bund Deutscher Radfahrer reagiert nicht allzu überzeugend in letzter Zeit. Er hat wohl nun im Fall von Fuhrmann mit einer neuen Sperre reagiert, die wirft aber im Moment noch einige Fragen auf, die der BDR schnell beantworten sollte, bei Problemen in den eigenen Reihen wie erst zuletzt mit der gescheiterten Unterlassungsklage seines Sportdirektor Burkhard Bremer gegen den Saarländischen Rundfunk geht man dagegen lieber auf Tauchstation. Die letzte öffentliche Äußerung des Vorsitzenden des BDR, Rudolf Scharping, ist wohl auch schon eine ganze Weile her, vom Gefühl her war dieser vor einiger Zeit noch um einiges mitteilsamer. Ich erinnere auch noch mal an den vermutlich längst schon wieder in Vergessenheit geratenen Fall von Jörg Paffrath Ende der 90er Jahre, bei dem der Verband schon einmal unrühmlich gehandelt hatte und den Sportler als Einzeltäter darstellen wollte und anfangs lebenslang aus dem Verband ausgeschlossen hatte, obwohl er nur das gesagt hat, was leider damals noch niemand hören wollte. Auch Bernd Fuhrmann ist kein Einzelfall im Amateurradsport.
Update: Der Bund Deutscher Radfahrer hat heute in der Zeitschrift Radsport in den Amtlichen Bekanntmachungen die Suspendierung von Fuhrmann bestätigt. Allerdings findet man die Meldung nicht in den amtlichen Bekannmachungen auf der Internet Seite des Verbandes. Die Meldung selbst würde ich mit "seltsam" umschreiben, wirft sie doch viele Fragen auf. Von einem "positiven Befund" ist da die Rede, was immer das heißen mag, es fehlen wie sonst bei Doping Suspendierungen üblich Ort und Datum der Kontrolle und der Hinweis auf die B-Probe. Daher lässt sich anhand der Formulieren nicht eindeutig erkennen, ob damit auch tatsächlich eine positive Dopingprobe gemeint ist oder sich die Formulierung evt. doch auf die Ermittlungen bezieht. Es stellt sich auch weiter die Frage, warum die Meldung erst jetzt erscheint, obwohl die Suspendierung schon am 17.06. erfolgt ist, warum er trotzdem danach Rennen fahren konnte (mindestens 11! nach dem 17.06.), und warum die Vereine wohl nichts davon wussten, sonnst hätte sie ihn ja sicher nicht starten lassen. Viel Erklärungsbedarf also noch für den Verband ...
(Sehr detaillierte und aktuelle Zusammenfassung der Ereignisse. Besonders interessant die Erwähnung der Verurteilung eines weiteren Radsportlers. Jemand hatte wohl versucht, das Auto des Kronzeugen Phillip Schulz von der Straße abzudrängen. Es gab sogar Telefonüberwachungen, in denen es wohl Hinweise darauf ergeben hat, dass mindestens 4 weitere Radsportler in die Dopingaffäre verwickelt sind, die Ergebnisse wurden an den BDR weitergeleitet, ob es dann evt. noch weitere sportrechtlliche Kosequenzen geben wird, bleibt abzuwarten)
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Kommentare
gruß abdu
Gruß Abdu
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